Archiv für die Kategorie 'Erziehung'

Jun 28 2012

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Der Familienhund und die hundliche Intelligenz

Abgelegt unter Erziehung,Wie lernen Hunde?

Mit jedem Wurf im Haus muss sich ein Züchter/ZüchterIn mit einem besonderen Wunsch der Welpeninteressenten befassen: dem nach einem Familienhund.

Bevor ich darauf zurückkomme, was ein Familienhund denn sein könnte, möchte ich aber einen recht seltsamen Vergleich anstellen:

Mit vielen Hunderassen, eigentlich den allermeisten, verhält es sich so wie mit den aussterbenden Nutztierrassen. Die in Jahrhunderten entstandenen Nutztierrassen sterben aus, wenn sie nicht gegessen werden. Die genetische Vielfalt verarmt.

Die Vielfalt unserer Hunderassen stirbt am Wunsch nach einem Familienhund.

Auch wenn es schon x-fach irgendwo zu lesen steht und die Geschichte der sogenannten Familienhunde sehr einleuchtend in der Zeitschrift Wuff vom Juni 2012 beschrieben wird (diese Lektüre lege ich Ihnen eindrücklich ans Herz), so bleibt doch die Frage, was möchten Sie kaufen, nur die schöne Jacke eines Hundes oder darf es auch der Inhalt sein! Oder ist der Inhalt gezwungen, sich nach der diffusen Vorstellung von einem Familienhundes zurechtbiegen zu lassen?!

Dazu ein passendes Zitat von Bertold Brecht, es wurde von Claudia beigesteuert:

“Was tun Sie” wurde Herr K. gefragt, “wenn Sie einen Menschen lieben?”

“Ich mache einen Entwurf von ihm” sagte Herr K. “und sorge, dass er ihm ähnlich wird.”

“Wer? Der Entwurf?”

“Nein” sagte Herr K., “der Mensch”.

Der Inhalt macht letztlich den Hund aus – sollte man meinen. Viele Hunde sind schön – unsere Hovawarte auch – aber erstmal stand die vermeintliche Schönheit nicht an 1. Stelle in der Zucht! Jedermensch redet heute davon, wie verzüchtet die Rassen doch seien. Und, was tut Jedermensch dazu??? Kauft sich – nur die Schönheit!!! Zahlreiche hier bekannter Rassen wie Schlittenhunde, Hütehunde aus Australien oder England, Herdenschutzhunde aus Russland, der Türkei, Hohen Tatra oder Pyrenäen und natürlich der Jagdhunderassen werden hier gehalten. Weil sie häufig sehr schöne Hunde sind. Und natürlich soll der Hund nicht unbequem sein, lästig gar in seinen “Ansprüchen”. Aber, sehr geehrter Interessent, wenn wir unsere Hunde nach unserer Bequemlichkeit zurechtbiegen wie Herr K., wenn unseren Hunden die Motivationen zum Tun abgezüchtet werden, dann bekommen wir dumme, phlegmatische Hunde. Wer will das denn!!!

Und das heißt ganz klar: Liebe Besitzer, künftige und aktuelle, nehmt zur Kenntnis, der Hovi ist ein Arbeitshund. Punkt.

Was können Sie tun. Nun, Sie sollten Ihrem Hund im 1. Lebensjahr das LERNEN lehren. Das ist eigentlich nicht so schwierig und auch nicht zeitaufwändiger als die täglichen Gassigänge. Sie benötigen eine klare Kommunikation zum Hund – die vielzitierte Konsequenz im Handeln ist ein Aspekt davon. Sie sollten sich damit auseinandersetzen, wie Hunde lernen – und zwar ausnahmslos alle Hunde.

Inzwischen ist sehr gute Literatur auf dem Markt und es gibt Ausbilder, die den Ansatz stressfreien Lernens in Theorie und Praxis hervorragend vermitteln. Dazu ist Ihrerseits nur wenig nötig: Anmelden und teilnehmen.

Dann gilt es zu ergründen, welche Ersatzarbeit wir unserem Welpen für sein Leben bieten wollen. Haus-und Hofwächter ist in diesen Zeiten ein aussterbendes Gewerbe. Gewiss, zahlreiche Vereine bieten verschiedenste Sparten des Hunde “Sports” an. (Ich bevorzuge nach wie vor die Vielseitigkeitsausbildung, Anmerkungen dazu finden sie an etlichen Stellen dieser Homepage). Ich weiß auch, dass nicht jeder Verein geeignet ist, Sie kompetent zu unterweisen. Aber dafür haben Sie mich, sofern Sie sich für einen Welpen meiner Zucht entscheiden. Dafür möchte ich Sie sehr gern sensibilisieren. so wie ich  schon einige Male auch “Alt”hundefreunde den Blick dafür weiten konnte, um wieviel spannender und entspannter! die Welt wird, wenn man sich in die Welt des Lernens führen läßt! Nichts, NICHTS ersetzt oder fördert das Verständnis mehr als gezieltes Training mit dem Vierbeiner. Ich behaupte gern, dass den “nur” Hundehaltern mindestens 50 Prozent an der Freude am Hund entgeht.

In der Neuen Osnabrücker Zeitung von heute findet sich ein Artikel zur Intelligenz der Tiere. Wie man dem sehr anempfohlenen Buch von Mark Rowlands sowie Elisabeth Beck und anderen entnehmen kann, unterschätzen wir Menschen die tierische Intelligenz nur zu gern, vermutlich weil wir als vermeintliche Krone der Schöpfung anderen solche Fähigkeiten nicht zubilligen mögen. Hunde, Primaten, Delphine, sie verfügen alle über enorme Fähigkeiten, zu lernen. Hunde im speziellen fühlen sich eng in uns Menschen ein, haben enorme Beobachtungsfähigkeiten, sind imstande, Handzeichen der Menschen ohne weitere Unterweisung zu lernen. So. Und womit “speisen” wir sie oft genug ab??? Mit ödem Spazierengehen, langweilig an der Leine her (weils ja vorgeschrieben ist).

Tun Sie sich und ihrem Hund das nicht an! Sorgen SIE dafür, dass es dem Hovi und allen anderen Hunderassen nicht geht wie schon so manchem Nutztier: welche aussterben, weil sie niemand mehr ißt. Hunde brauchen Käufer, damit die Fähigkeiten der Rassen erhalten bleiben. Wider dem verarmten Familienhund!

Die Rasse Hovawart wird es danken. Die Züchter werden Sie dankbar aufnehmen.

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Mrz 29 2012

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In 10 Tagen zur Begleithundprüfung!?

oder in 14 Tagen oder in 10 Unterrichtseinheiten …..

Eigentlich  ist  die  BH, die Begleithundeprüfung, die schwerste Prüfung überhaupt. Das kommt mir grade in den Sinn. Denn  es  ist  die  erste  Prüfung und man sagt ja nicht umsonst: “Aller Anfang ist schwer”

Und dann gibt es Hundetrainer, oder Hundeschul-Lehrer, die sagen einem Mensch mit Hund: “In einem Monat sind Sie soweit. Dann können Sie die BH machen”.  Wir, Momo und ich, üben dafür jetzt schon über ein Jahr. Bin ich blöd? Ist mein Hund blöd? Oder ist vielleicht die Ausbildung auf unserem Hundeplatz bescheiden? Oder sind nur die “Krauses”  (in Anlehnung an das Buch “Herrchenjahre” von Michael Frey Dodillet)  von irgendwelchen Hundeschulen das einzig Wahre? Die haben ja oft geheimnisvolle Kenntnisse mit abenteuerlichen Abkürzungen und die arbeiten da auch mit bestimmten Methoden und nach fantastischen Systemen mit vielversprechenden Namen.

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Feb 08 2012

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Ausbildung ist nicht “Sitz” allein…

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Unsere Ausbilder waren im November “auf Seminar” gewesen.  Bei Bart Bellon. Und da sie mit neuen Ideen nicht”hinter dem Berg” halten, durften wir gleich mal ausprobieren… mit den Pfoten “tatschen”.

Im Prinzip geht es um die Förderung der Kreativität und Aktivität unserer Hunde, denn allzu leicht gerät Frau/Mann in das Fahrwasser, die Erziehung nur in “NEIN”s gipfeln zu lassen. Oder wir kommandieren… und wundern uns, wenn die Ansagen nicht befolgt und womöglich mehrfach gemacht werden müssen (da haben wir dann die berüchtigten “Handlungsketten”). Leider hat dieser Umgang auch eine “Reduktion” des Hundes zur Folge. Der vermeintlich “brave” Hund ist oft nur einer, der schlicht aufgegeben hat (etwas auszuprobieren). Dabei zeigen uns doch Welpen, was Hund alles kann: mit Zähnen und Pfoten die Welt zu untersuchen…

Wie Hunde lernen, ist schon mehrfach gesagt: durch Wiederholung (um die 2.000 Mal), ohne Streß und punktgenaue Bestätigung (Klicker oder Klickerwort) und Belohnung mittels Leckerchen, Beutespiel oder Sozialkontakt.

Eine feine Sache, um die Eigenaktiviät und das “Ausprobieren” des Hundes, womit er zum Erfolg kommt, zu fördern, ist das ”setz die Pfote ein und es gibt was!”-Spiel. Unsere Hunde sollten mit nur wenigen Hinweisen/Anzeigen lernen, die Pfote auf einen Stuhl zu legen, dann gibts Klick und Lecker.

Erst wurde gezeigt und gesagt, dann nur gesagt, dann nichts dergleichen. Hund soll zeigen, was er kann. Ich habe dann zu Hause auf alles mögliche ausgeweitet: Kartons aller Arten, Eimer, Flaschen, Töpfe, Stofftiere… auch nicht so angenehme Gegenstände. Die Mädels mußten dann im weiteren Verlauf herausfinden, was ich “angetascht” haben wollte. Inzwischen setzen sie die Pfote sehr selbsttätig ein, wenn sie etwas haben möchten.

Allerdings gehts nicht nur nach dem Hundeköpfchen – gearbeitet wird, wenn ich den Klicker und die Lecker raushole. Und wenn ich das arbeiten von Hund einfordere… 

Aber es fördert eben auch die Beweglichkeit im Kopf, die Bereitschaft, aufzupassen und Gelerntes anzubieten, um das begehrte Leckerchen (oder Spielgerät) zu bekommen.

Probierts mal aus! In den “Clickerlink” finden sich schöne Beispiele zum Lernen; die “Kunststückchen” zeigen, wie die Lernfreude ausgeweitet werden kann.

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Jul 29 2011

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Das NiLig-Programm

Affen müssen ihr Futter aus Behältnissen angeln, Eisbären pulen Leckereien aus Eisblöcken raus und auch anderen Zootieren macht man es nicht leicht, ans Futter zu kommen. Alles, um der Langeweile vorzubeugen und  Beschäftigung zu erzeugen. Weil die natürliche Möglichkeiten dazu fehlen.

Unsere Hunde kriegen das Futter im Napf.

Es geht auch -zumindest gelegentlich- anders. Nach dem NiLig-Programm. Dieser schöne Begriff ist aus dem Seminar von Andreas und heißt schlicht NICHTS IM LEBEN IST GRATIS. Weiterlesen »

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Jul 27 2011

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Neues zur “Tischarbeit”

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Nixe ist nun 5 1/2 Monate alt.

In der Hauptsache darf sie Blödsinn machen.

Heute morgen z.B. suchte ich meinen Autoschlüssel und es wurde langsam eng in der Zeit. Auto? meinte mein mitdenkender Ehemann und insisierte damit, ich könne das notwendige Utensiel wohl stecken gelassen haben. Nun ja, nicht ausgeschlossen bei mir, dachte ich und strebte zu meinem Fortbewegungsmittel. Da lag er dann, auf dem Rasen. Wie zuvor schon Bücher, die sie gern liest (von hinten, es fehlt immer der rückwärtige Umschlag), Kleiderbürsten und was sich sonst auf dem Terrassentisch finden läßt…

Nun, sie lernt auch. Weiterlesen »

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Mai 26 2011

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Tischarbeit

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Wie in dem Seminar mit Andreas Preckel gehört, bedarf es einer erheblichen Anzahl an streßfreien! Wiederholungen einer Übung. Als Einstieg für “Sitz”, “Platz” und “Steh” kann man passive Hilfe nehmen, z.B. den Hund unter Bein oder Arm herführen, man kann aber auch eine sogenannte Tischarbeit machen.

Dazu wird der Hund wie auf den Bildern zu sehen mit einer Leine gesichert. Johanna tippt den Hunden auf den Po=sitz, hinten unter den Bauch=steh und zwischen die Schulterblätter=Platz. Wenn der Hund sitzt, steht oder Platz macht, wird der Finger=Berührung weggenommen und der Hund bekommt den Klick sowie ein Lecker.

Die Übungen werden in unregelmäßiger Folge mit Lockerungen dazwischen durchgeführt, eben kreativ.

Kreativ werden auch die Hunde und “bieten” nach 3 oder 4 Übungstagen schon mal Sitz, Platz oder Steh an, um das begehrte Leckerchen zu bekommen. Auch “führt” die Hand mit dem Futter nicht mehr in die Position, sondern der Hund muss selbst “drauf kommen”.

Der nächste Schritt wäre, die Positionen mit Hörzeichen zu belegen.

Warum macht man das so:

der Hund soll erst ein erwünschtes Verhalten lernen, hier: Sitz-Platz-Steh. Mit Hilfte der Futterhand – sie ”führt” den Hund zunächst in die richtige Position - wird es dem Hund erleichtert zu verstehen, was wir wollen.  So kommt der Anfängerhund schnell zu Erfolg. Zuvor hatten die Hunde ja bereits gelernt, dass der “Klick” ein Leckerchen verheißt.  Sie verbinden nun das Erreichen der Position mit dem Leckerchen. Da sie dieses gern haben wollen, probieren sie aus, wie man an das Leckerchen kommen könnte. Das nennt man “Verhalten anbieten”.

Da Hunde, wie im Seminar gelernt, im Kontext lernen und assoziieren, sind hier ein entspanntes Umfeld und sauberes Arbeiten seitens des Trainers sehr wichtig.

Das ist später auf jede andere Übung übertragbar.

NS:

Hunde verknüpfen (nur) das, was sie gleichzeitig oder im Abstand von ca. 1,5 Sekunden wahrnehmen.

Der Klicker verschafft uns Zeitfenster. Diese müssen eingehalten werden.

Der Trainingsaufbau muss sorgfältig durchgeführt werden.

 

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Aug 12 2010

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Erziehung

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Unter ”Erziehung” des Welpen würde ich alles an Maßnahmen und Regeln zusammen fassen, die das Zusammenleben von Ihnen und dem Hund bestimmen sollen.

Dazu gehört: z.B. , dass der Welpe stubenrein wird. Viele Welpen lernen das heute schon beim Züchter. Lassen Sie sich erklären, wie die Welpen aufgezogen wurden. Grundsätzlich gilt: nach Schlafen, Essen, Spielen: bitte einmal nach draußen. Und: fängt “er” an, mit der Nase intensiv zu schnobern, heißt es, kein großes Palaver, sondern den Welpen aufgenommen und flux nach draußen gesetzt. Hat “er” dann gemacht, ist großes Lob angesagt. Passiert doch 1 x ein Malheur: das ist kein Drama. Trotzdem nach draußen setzen und gut ist. Meistens ist das Malheur flüssig. Bewährt hat es sich,  dann etwas Essig drüber zu geben und, falls es der Teppich war, gut aufsaugen mit Papier/Zeitung oder Tuch.

Viele Welpen kennen schon ein Halsband. Wenn nicht, gibt es heute leichte Stoffhalsbänder. Anfangs scheinen sie etwas zu “jucken”. Das gibt sich aber ruckzuck.

An die Leine kommt “er” auch. Keinesfalls darf daran gerissen oder gezerrt werden. Man kann z.B. die Leine anlegen und folgt zunächst den Bewegungen des Welpen. Erst langsam und vorsichtig beginnt man zu lenken, bis der Welpe manierlich an unserer linken Seite läuft.

Im Hause darf der Hund mit seinem Spielzeug – und mit Ihnen natürlich – spielen.

Von Anfang an muss er aber seine Tabus haben.

Im eigenen Interesse ist das Anfressen von Teppichen und Möbeln ist tabu. Auch Ihre Schuhe sind kein Hundespielzeug. Konsequenz in der Hundeerziehung ist alles. In der Natur gibt es keine antiautoritäre Erziehung. Es gibt auch keine Gleichberechtigung. Autorität und Rangordnung sind beim Hund gefragt. Nur dann kann er ein zufriedenes hundliches Leben führen. Menschliche Denkungsart und Einsicht sind ihm fremd. Er kann sie nicht verstehen.

Was Ihr Hund nun im Einzelnen erlernen soll, bleibt weitgehend Ihnen überlassen. Es würde auch zu weit führen, hier alle Einzelheiten zu beschreiben.

Hundenannys gibt es inzwischen wie den berühmten Sand, dito Bücher.

Ein Blick in dieses Buch hat diverse meiner Praktiken bestätigt. Deshalb empfehle ich:

 Wölfisch für Hundehalter: Von Alpha, Dominanz und anderen populären Irrtümern von Günther Bloch und Elli H. Radinger von Franckh-Kosmos Verlag (Gebundene Ausgabe - 9. April 2010)

Sie lesen hier z.B., warum es Sinn macht, sich Annehmlichkeiten im Rudel zu teilen…

Auch möchte ich Ihnen nicht reinreden, ob und wo der Hund schläft, sitzt, gefüttert wird usw. usf.

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